Der Unterschied zwischen Mut und Dummheit

29.11.2016 – Ein nicht zu ignorierendes Unwohlsein beschleicht mich, als ich die Säge ansetze. Ich habe extra die Handsäge genommen, um näher am Material zu sein. Dann säge ich los. Erst zaghaft, dann mit mehr Schwung. Während ich säge beobachte ich den Sägeschnitt. Senkt und schließt er sich, oder bleibt er offen?

Eigentlich wusste ich ja, dass er offen bleibt. Meine Berater haben bestätigt, dass die Pfosten keine Last tragen. Die Dachkonstruktion wiederholt sich und in der nächsten Einheit sind an dieser Stelle auch keine Pfosten. Und nicht zuletzt sagt mir mein eigenes Verständnis für die Ausbreitung von Kräften in Stabwerken, dass gar keine nennenswerte Last auf den ehemaligen Türpfosten sein kann. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich Bauingenieurwesen studiert habe, allerdings ohne das Studium abzuschließen. Definitiv lange genug jedoch, um zu wissen, was in Stabwerken passiert.

Zu wissen, dass ein Pfosten keine Last trägt, und die Säge anzusetzen, sind aber zwei verschiedene Dinge. Besonders, wenn man dann noch einen kurzen Gedanken an das nagelneue Dach obendrüber verschwendet. In genau diesem Augenblick darf einen der Mut nicht verlassen. Aber nur, wenn man keine Dummheit begeht.

Na gut. Jetzt sind die Pfosten raus.

Schade nur, dass ich dem kleinen Vampir seinen Unterschlupf nehmen musste. Als ich das abgesägte obere Ende aus dem Dachsparren zog, saß er auf dem Zapfen des Pfostens. Ganz oben drauf. Vermutlich rieb er sich seine kleinen Augen vor lauter Müdigkeit und konnte nicht verstehen, warum es plötzlich so hell war. Armer, kleiner Vampir. Nach ein paar Minuten flatterte er dann aber doch los, drehte zwei Orientierungsrunden, und verschwand zielgerichtet in einem anderen Zapfenloch des Gebälks. Ende gut, alles gut.

 

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